Shop-System & Hosting-Anbieter auswählen | Serie Online-Shop erstellen Teil 1/5

Diese Anleitung zeigt euch Schritt für Schritt auf welche Punkte ihr bei der Planung eines eigenen Online-Shops achten müsst.

Die Anleitung ist aufgeteilt in die wichtigsten Aspekte eines erfolgreichen Online-Shops:
• Technisches Fundament
Wirtschaftliche Planung
SEO
Usability & Design
Produktfotografie

In diesem ersten Teil der Serie behandeln wir die Technik hinter eurem zukünftigen Online-Shop und geben Tipps bei der Auswahl der verschiedenen Komponenenten. Die Tipps gibts es auch in einer übersichtlichen Checkliste.

Hosting und Software für einen Online-Shop auswählen

Aller Anfang ist schwer. Besonders als wenig technik-affiner Mensch steht man Anfang vor einer fundamental wichtige Frage für den eigenen Online-Shop: Wie wähle ich einen geeigneten Hosting-Anbieter und die passende Shop-Software aus?

Eure Entscheidung bei dieser Frage ist von enormer Wichtigkeit, da ein späterer Wechsel des Hosting-Anbieters oder eine Änderung der Shop-Software zwar möglich ist, aber mit großem Aufwand verbunden ist. Das Hosting und die Shop-Software sind beim Hausbau vergleichbar mit dem Fundament des Hauses.

Der Markt bietet eine Fülle an Software-Produkten für Online-Shops, auch im Open-Source-Bereich. Die Implementierung und der Betrieb eines eigenen Online-Shops bietet dem Betreiber gegenüber Mietshops und Full-Service-Plattformen größtmögliche Flexibilität. Nachteilig ist, dass der Shop-Betreiber für alles selbst verantwortlich ist und neben entsprechendem Knowhow auch über ausreichende Ressourcen für die Einrichtung und den Betrieb eines professionellen Online-Angebots zum Verkauf von Waren und/oder Dienstleistungen verfügen muss. Insbesondere im Fall von kleineren Unternehmen, Einzelkaufleuten sowie im Nebenberuf Tätigen ist eine genaue Prüfung der eigenen Möglichkeiten von Bedeutung.
Um das beste Shop-System für die eigenen Bedürfnisse zu finden, bedarf es zunächst der Festlegung von geeigneten Auswahlkriterien.

Auswahl der Online-Shop-Software

Die folgenden Auswahlkriterien für einen eigenen Online-Shop beziehen sich vordergründig auf technische Aspekte. Weitere Aspekte aus den Bereichen wirtschaftlicher Planung, Usability & Design, SEO und Produktfotografie werden in späteren Teilen der Serie thematisiert.

Auswahlkriterien: Open-Source Shop System

Auswahlkriterien: Open-Source Shop System

Zuallererst sollte man sich zwischen einem kostenfreien und einem kommerziellen Shop-System entscheiden. Kostenfreie Systeme wie Magento, Shopware, Oxid, OsCommerce oder xtCommerce kosten in der Basis-Version kein Geld, jedoch müssen auch diese installiert, gewartet und an die individuellen Bedürfnisse angepasst werden. Kostenfrei heißt dabei keinesfalls, dass diese Systeme schlecht seien.

Vorteile von Open Source Lösungen: Nachteile von Open Source Lösungen:
Kostenlos oder Sehr günstig Programmierkenntisse nötig
Umfangreicher Support in Form von Foren/Blogbeiträgen etc. Unübersichtlichkeit welche Add-Ons/Plug Ins vorhanden
Modularer Aufbau & Ausbaumöglichkeiten (durch Add-Ons/Plug Ins) Kompabilitätsprobleme der Add-Ons/Plug-Ins möglich (nach Update bspw.)
Schnittstellen zu anderen Bereichen wie SEO möglich zeitraubenden Anpassungs- und Wartungsarbeiten (Pflegeaufwand)
Sicherheitslücken werden schneller durch die Community entdeckt und abgeschafft Service nur über Blogs oder Foren
Mehr (Update-)Versionen als kommerzielle Versionen

Der Unterschied zu kommerziellen Shop-Systemen besteht darin, dass kommerzielle Shop-Systeme meist einen besseren Service in der Kundenbetreuung und auch in der Anpassung der Systeme bieten. Bei kostenfreien Systemen werden diese Aufgaben meist durch Communities in Foren bereitgestellt. Kostenpflichtige Shopsysteme sind beispielsweise: Jimdo Business, JTL Shop, Rakuten und plentymarkets.

Beispiel für Auswahlkriterien für ein kostenpflichtiges Shop System Kopie

Auswahlkriterien: Kostenpflichtiges Shop System

Natürlich bieten auch kostenpflichtige Shop-Systeme Vorteile sowie Nachteile:

Vorteile von kostenpflichtigen Shop-Systemen: Nachteile von kostenpflichtigen Shop-Systemen:
Schnelle Einarbeitung Höhere Kosten
Verschiedene Dienstleistung integriert („Full Service“) „Closed Source“ – Erweiterung des Funktionsumfangs in Eigenregie nicht möglich
Service und Backupmöglichkeit Anbindung zu anderen Tools (ZB: SEO)
Pflegeaufwand niedrig Abhängigkeit von einem Anbieter
Hosting meist in den Gebühren integriert

Hosting

Im Bereich Hosting/Systembetrieb spielen Kriterien wie die vertraglich vereinbarte Verfügbarkeit des Systems sowie die Servicezeiten und Erreichbarkeiten des Supports auf Seite des Hosting-Unternehmens eine große Rolle. Ausfallzeiten werden von Hosting-Anbietern meist in Prozentwerten wie 0,01% angegeben. Das scheint auf den ersten Blick eine geringe Ausfallzeit zu sein, jedoch sollte man den Wert für ein komplettes Jahr ausrechnen. Eine Serverausfallzeit bedeutet im Ernstfall, dass für eine gewisse Zeit kein Kunde eine Bestellung tätigen kann. Die Ausfallzeit wirkt sich somit direkt auf euren Umsatz aus. Zudem bekommt ein Kunde ein negatives Bild von eurem Shop und kann zur Konkurrenz abwandern. Gleichzeitig ist die Erreichbarkeit einer Internetseite auch ein relevantes Ranking-Kriterium für Suchmaschinen (SEO). Bei einen kleinen Online-Shop, der hobbymäßig betrieben wird, können Abstriche beim Hosting in Kauf genommen werden, während größer geplante Shops mit mehreren Mitarbeitern auf keinen Fall am Hosting sparen sollten.

Skalierbarkeit

Unter Skalierbarkeit wird allgemein die Erweiterung der Leistungen eines IT-Systems durch Hinzufügen von Ressourcen verstanden. Bezogen auf den Anwendungsbereich Shop-Auswahl ist die Erweiterung von Speicherplatz für euren Online-Shop ein wichtiges Kriterium. Ihr solltet sicher gehen, dass das Hinzufügen von zusätzliche Speicherplatz ohne Probleme möglich ist.

Sicherheit

Im Bereich der Datensicherheit spielen eine geschützte Übertragung von Kunden-/Bestelldaten (https), ein sicherer Login (Passwort-Schutz) und eine geeignete Protokollierung /Logging eine Rolle. Weiterhin sind ein regelmäßiges Backup (inkl. Kunden-DB) sowie ein ausreichender, serverseitiger Anti-Virenschutz von Bedeutung. In der heutigen Zeit bieten so gut alle gängigen Hosting-Anbieter gute Lösungen in diesem Bereich an.

Payment-Funktionen

Die sichere Zahlungsabwicklung stellt einen entscheidenden Erfolgsfaktor für einen Online-Shop dar. Kundenseitig wird das Angebot verschiedener Zahlungsmöglichkeiten erwartet. Hierzu zählen die Zahlung per Vorkasse, Kreditkarte, PayPal, Sofortüberweisung und Rechnung. Um diese Anforderungen erfüllen zu können, müssen in Frage kommende Shop-Systeme auf Vorhandensein entsprechender Funktionen bzw. Schnittstellen geprüft werden. In vielen Shop-Systemen können auch zu einem späteren Zeitpunkt verschiedene Zahlungsarten über Plug-Ins hinzugefügt werden. Macht euch Gedanken welche Zahlungsarten ihr anbieten möchtet und prüft, ob euere ausgewählte Software diese Zahlungsarten nativ oder über ein zusätzliches Plug-In unterstützt.

Reporting/Auswertung

Um das Produktangebot fortlaufend optimieren und Kunden Empfehlungen geben zu können, sind Auswertungsmöglichkeiten der Produktdaten/Artikel sowie der Kundendaten erforderlich. Das Vorhandensein entsprechender Funktionalitäten ist zu prüfen. Dieser Aspekt ist nicht zwingend für einen nebenher betriebenen Hobby-Online-Shop zu erfüllen, jedoch hilft euch eine gute Auswertung eurer Verkaufszahlen eure Kunden besser zu verstehen, ihnen besser gewünschte Produkte anbieten zu können und damit mehr Umsatz zu machen.

Kommunikationsschnittstellen

Hinsichtlich der Kommunikationsschnittstellen sind eine Mailanbindung sowie die Möglichkeit zur Integration von Blogs und Foren von Bedeutung. Auch Newsletter können in manchen Shop-Systemen erstellt, gepflegt und versendet werden. Blogs, Foren und Newsletter sind gerade für die Kundenbindung von großer Bedeutung. Zusätzlich sind Blogs auch relevant für die Suchmaschinenoptimierung (SEO).

Administration

Die Administrationsschnittstelle ist für eine gute technische Betreuung des Online-Shops essentiell. Die Schnittstelle sollte daher den einfachen und transparenten Zugriff auf alle Module des Shop-Systems erlauben. Die Datenpflege sollte durch maschinelle Importmöglichkeiten möglichst komfortabel gestaltet sein, um zeitraubende und fehleranfällige manuelle Tätigkeiten zu vermeiden. (Beispielsweise ein automatischer Import von Daten aus einem WaWi-System.)
Des Weiteren sollten Funktionen im Bereich der automatischen Faktura (Rechnung, Emailbenachrichtigung, Versandtool, Retoure) bereitstehen. Weiterhin sollten Update-/Upgrade-Prozesse über die Administrationsschnittstelle durchgeführt werden können.

Installation eines eigenen Online-Shops

Wenn ihr euch für einen Hosting-Anbieter und eine Shop-Software entschieden habt, ist der nächste Schritt die Installation des Online Shops. Die Systeminstallation und -einstellung des Online-Shops stellt einen zentralen Schritt auf dem Weg zum betriebsbereiten Online-Shop dar. Dementsprechend ist eine sorgfältige Vorbereitung und Planung des Installationsprozesses erforderlich.

Wahl des Softwarepakets

Viele Hersteller von Shop-Software bieten verschiedene Softwarepakete desselben Produkts für unterschiedliche Einsatzszenarien an. Die Pakete unterscheiden sich dabei im Funktionsumfang und in vielen Fällen auch mit Blick auf Anzahl und Art der Schnittstellen (z. B. zu Warenwirtschaftssystemen, CRM-Systemen, CM-Systemen). Auch im Open Source-Bereich gibt es in der Regel unterschiedliche Pakete. Im Vorfeld der Installation ist zu klären, welches der angebotenen Pakete die individuellen Bedürfnisse am besten erfüllt.

Planung und Durchführung des Installationsprozesses

Die genaue Durchführung des Installationsprozesses hängt stark vom gewählten Betriebskonzept ab. Im Fall des Hostings sind beispielsweise zusätzliche Werkzeuge erforderlich um die Installation ordnungsgemäß durchführen zu können. Weiterhin müssen alle relevanten Systempasswörter bereitliegen. Sofern nicht bereits hostseitig vorhanden, ist der Upload des gewählten Softwarepakets auf den vom Hoster bereitgestellten Server erforderlich. Hierzu kann ein FTP-Client wie Filezilla eingesetzt werden. Nach dem Entpacken des Pakets kann mit der eigentlichen Installation begonnen werden. Um das produktive System im Fall von Upgrades oder sonstigen Veränderungen nicht in seiner Lauffähigkeit zu beeinträchtigen, sollte zusätzlich zur Produktivumgebung eine Testumgebung eingerichtet werden.

Sicherung des Zugriffs bis zur Inbetriebnahme

Bis zur abschließenden Abnahme und Inbetriebnahme des Online-Shops sollte der Zugriff über das Web gesperrt werden. Damit können zum Beispiel Abmahnungen aufgrund fehlender rechtlicher Erfordernisse (z. B. Impressum) vermieden werden.
Eine Absicherung ist zum Beispiel über .htaccess-/.htusers möglich. Hierbei wird im Root-Verzeichnis des Online-Shops zunächst eine verschlüsselte .htaccess-Datei angelegt. Durch einen Verweis in dieser Datei auf die Datei .htusers kann der Zugriff auf den in der .htusers angegebenen Personenkreis eingeschränkt werden.
Mit der Freigabe und Inbetriebnahme des Shop-Systems müssen die Dateien zur aus dem Root-Verzeichnis wieder entfernt werden.

Systemerweiterungen (Plug-Ins)

Häufig werden durch die Basisinstallation eines Shop-Systems nicht alle notwendigen Funktionen bereitgestellt. Um den Funktionsumfang des gewählten Online-Shops zu erweitern, kommen entweder Eigenentwicklungen (insbesondere im Open-Source-Bereich interessant) oder aber der Zukauf sog. Plug-Ins in Betracht.
Plug-Ins stellen Softwareerweiterungen dar, die durch definierte Schnittstellen an das bestehende Shop-System angebunden werden können. Plug-Ins stehen sowohl für kommerzielle Systeme als auch im Open-Source-Bereich zur Verfügung und sind zumeist kostenpflichtig.
Konkret könnte innerhalb der in der Basisversion kostenfreien Version von Shopware folgende Plug-Ins zur Zahlungsabwicklung installiert werden: Heidelpay, PayOne und PayPal, uvm. Für die meisten Shop-Systeme stehen zahlreiche Plug-Ins für verschiedenste Funktionen zur Verfügung.

Berechtigungskonzeption und Passwortregeln

Um ein IT-System wie einen Online-Shop sicher betreiben zu können, ist die Vergabe geeigneter Berechtigungen für alle Systemnutzer von zentraler Bedeutung. Bei kritischen Anwendungen sollte dabei das Prinzip der minimalen Berechtigungsvergabe verfolgt werden. Dadurch wird sichergestellt, dass jeder Systemnutzer nur die für seinen individuellen Aufgabenbereich erforderlichen Funktionen ausführen kann.
Grundsätzlich ist es sinnvoll, zunächst Rollen zu definieren. Anschließend können die erforderlichen Berechtigungen je Rolle definiert und zugewiesen werden. Dieses Vorgehen hat den Vorteil, auch bei vielen Systemnutzern die Übersicht über vergebene Rechte bewahren zu können.

Letzte Schritte

Im Vorfeld der Inbetriebnahme ist die Produktivumgebung analog zur Testumgebung einzurichten. Hierzu zählen insbesondere die Übernahme der Design-Templates, das Anlegen des Produktangebots und das Einrichten der Zugriffsrechte für die Produktivumgebung. Zur Einsparung von personellen Ressourcen und zur Vermeidung von Fehlerquellen sollten anstelle von manuellen Tätigkeiten vorzugsweise maschinelle Importverfahren gewählt werden.

Schauen Sie sich auch die vollständige Checkliste zum Erstellen eines eigenen Online-Shops an und lesen Sie die weiteren Ratgeber zu den anderen Aspekten.

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  6. Vielen Dank für den Interessanten Beitrag. Ich habe mit WIX sehr gute Erfahrungen gemacht. Früher hat man gesagt, dass diese Systeme bezüglich SEO nicht optimal wären. Ich denke aber dass WIX, Jimdo und Co einiges diesbezüglich unternommen haben. Natürlich ist WordPress mit WooCommerce immer noch einiges besser aber für jemand der sich mit den technischen Details nicht auseinandersetzten will, ist WIX und Jimdo ein gute Lösung.

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