Windows 7: Nicht identifizierbares Netzwerk – Eine Lösung

Wenn Windows 7 einen plötzlich nicht mehr ins Internet lässt, behauptet: die „LAN Verbindung verfügt über keine gültige IP-Konfiguration“ und ein „Nicht identifizierbares Netzwerk“ meldet, dann hat man ein Problem. Da kein im Netz gefundener Lösungsweg funktioniert hat, hier eine Schilderung des Ganzen samt meiner Lösung.

Geschehen

Ich arbeitete fleißig an meinem Rechner, als kurz vor Mittag das Internet wegbrach. Ein Blick in die FritzBox zeigte, dass kein DSL vorhanden war. Wie ich später herausfand, gab es eine Großraumstörung im Netz der Telefonica (1&1 DSL 16000), aber das wusste ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Wie so oft, startete ich die FritzBox durch Stromentzug neu. DSL war irgendwann wieder da, aber ich kam nicht ins Netz. Also auch den Switch neu gestartet, nichts.

Dieses Problem war mir bei Windows 7 nicht neu und schon ein oder zwei Mal aufgetaucht. Jedes Mal konnte es Windows selbst reparieren. Doch diesmal schlug dies fehl. Und damit hatte ich ein Problem. Eine Internet-Agentur ohne Internet? Ganz schlecht.

Also meinen Laptop angeworfen, da dieser über eine eigene SIM-Karte im Vodafone-Netz verfügt. Allerdings zeigte sich, dass der Laptop über WLAN via FritzBox weiter online kam, aber nicht via LAN-Kabel. Oha. Für mich ein deutlicher Hinweis: Entweder ist der Switch kaputt, das Netzwerkkabel zwischen Router und Switch oder das Problem liegt bei Windows. Da der Kauf eines neues Switchs (der alte hatte schon viele Jahre auf dem Buckel) und der Test mit neuen Kabeln nichts brachte, setzte ich bei Windows 7 an.

Windows 7: Lokale Sicherheitsrichtlinie und DHCP-Zuteilung

In Foren findet man dazu eine Menge Zeug. DHCP-Einstellungen etc. Aber bei mir stimmte alles und nirgendwo fand sich wirklich eine Lösung. Da kamen dann Vorschläge wie „Du musst Windows neu aufsetzen“ und ähnlicher Müll. Nee, das kann es nicht sein. Auch kaputte Netzwerkkarte oder Treiber konnten es nicht sein, denn auch mein zweiter Rechner im Netzwerk kam nicht online. Dass bei drei Kisten gleichzeitig was kaputt gegangen sein soll, nee.

Den ersten interessanten Ansatz fand ich im Artikel bei heise c’t – Freigaben im nicht identifizierten Netzwerk – da meine zwei Desktop-Rechner nur hier stehen, änderte ich in der Computerverwaltung die „Lokale Sicherheitsrichtlinie“ entsprechend, beim Laptop natürlich nicht. Dennoch keine Änderung, auch nicht nach Neustart. Lag möglicherweise daran, dass die Rechner dieses Netz ja bereits eingestuft hatten. Eine Änderungsmöglichkeit bietet Windows 7 nicht, ein Unding für Anwender.

Aber ich war auf dem richtigen Weg. Noch näher kam ich der Lösung über zwei Blogartikel: Windows 7: “nicht identifiziertes Netzwerk” in Version 1 und Version 2. Die Erkenntnis dank Stefan Holzhauer: Wenn sich sich die Zuteilung einer DHCP-Adresse an Windows verzögert, dann trägt Windows sich selbst eine Art Hilfs-IP-Adresse ein, die als unsicheres Netzwerk behandelt wird, diese auch gleich in der Registry eingeträgt, zusammen mit der MAC-Adresse des Routers und ab sofort nutzt.

Doch die FritzBox?

Er empfiehlt dazu Änderungen in der Registry, die bei mir leider nicht fruchteten. Und sein zweiter Tipp bezog sich nur auf mobile. Jetzt war ich am Verzweifeln und rief meinen Computerfreak an. Entsprechend seinen Anweisungen verband ich meinen Zweitrechner direkt via Kabel mit der FritzBox. „Kommst du damit ins Netz?“. „Nein“. „Dann ist der internet Switch der FritzBox defekt“, war seine Einschätzung. Mehr ging nicht auf die Ferne und wir legten auf. Neue FritzBox kaufen für 200 Euro? OMG.

Bevor ich das tat, ging ich erstmal in den Keller, wo noch eine uralte FritzBox als BackUp herumliegt. Ich schloss sie an und *zack* waren alle Rechner nach einem Neustart wieder im Netz. Also doch die FritzBox und nicht Windows 7? Dummerweise konnte die alte kein WLAN, damit war Laptop und Smartphone ausgeschlossen. Und das Telefon zickte auch herum. Also doch schnell eine neue Box besorgen? Ein Kumpel riet mir: Ruf doch 1&1 an, vielleicht ist noch Garantie drauf.

Die Dame an der technischen Hotline war supersüß und hilfsbereit. Erstmal informierte sie mich über die DSL-Störung und dass in diesem Kontext durchaus Phänomene auftreten könnten. Dass aber WLAN ging und LAN nicht, war schon sonderbar. „Darf ich auf die Box gucken?“. Natürlich durfte sie. Deshalb wieder die alte Box ab- und die neue angeklemmt. Laut ihrer Aussage war alles okay mit der Box. „Haben sie schon LAN2 probiert?“ Ach ja, das gab es ja auch. Rechner 2 direkt verbunden, neu gestartet und *zack* war ich im Netz. Oha. Umgesteckt, Switch direkt an LAN2 und *zack* waren alle Rechner wieder im Netz.

War also nur LAN1 defekt? Ich ging aufs Ganze und steckte den Switch wieder in LAN1. Ohne Neustart: Alle Rechner im Netz. Ich war baff.

Die Lösung

Damit war die Sachlage klar: Nicht die FritzBox, sondern doch Windows 7 war der Übertäter. Hier meine Theorie dank Stefan Holzhauer: Durch den kurzzeitigen DSL-Ausfall hatte Windows 7 mein Heimnetz als unsicher eingestuft und komplett blockiert. Da dies als letzte Verbindung gespeichert wurde, halfen auch Neustarts nicht, weder bei der Box, noch bei Windows. Die Rettung war vermutlich der Anschluss der alten FritzBox: Diese hatte eine andere Mac-Adresse, durfte ins Netz und Windows verwarf die Blockierung der eigentlichen FritzBox. Sobald ich also die neue FritzBox wieder anschloss und aufgrund des Umsteckens auf LAN2 meine Rechner neu gestartet hatte, wurde die neue FritzBox wieder akzeptiert und Halleluhjah.

Für Nachahmer: Sicher hat nicht jeder zwei Boxen zur Hand. Vielleicht kann man auch einfach die Netzwerkverbindung löschen und auf einen Neustart hoffen. Oder es findet jemand den verdammten Schlüssel in der Registry. Im Pfad HKEY_CURRENT_USER\Software\Microsoft\Windows\CurrentVersion\InternetSettings\ war die Löschung von WPAD jedenfalls nicht der richtige Ansatz.

Ich hoffe, dass die Änderung der Lokalen Sicherheitsrichtlinie künftig jedenfalls das Problem beseitigt. Denn dass das Netz einmal ausfällt, ist keine Sache, die nur alle Schaltjahre mal vorkommt. Und ich hoffe, dass Windows diesen dämlichen Bug beseitigt, mit SP1 und den bis heute gelaufenen Updates ist er jedenfalls noch aktiv.

Mein Dank geht an die Firma Microsoft: Einen halben Arbeitstag verloren, unnötigerweise einen neuen Switch und neue Netzwerkkabel für rund 40 Euro gekauft. Wem darf ich die Rechnung schicken?

Kommentare (4) Schreibe einen Kommentar

  1. Hat super funktioniert. Ich musste die Ersatzbox nicht mal im Internet anmelden.

  2. Dein Bericht ist jetzt über ein Jahr alt – aber ich kam erst trotzdem gestern in die Verlegenheit einen neuen Rechner mit Windows 7 über einen Switch ans Netz zu bringen. Witzigerweise war der PC bei der Installation von Windows 7 und einige Stunden später – inklusive der nötigen diversen Neustarts während der Installation und den Windows-Udates – immer und sofort am Netz. Die Verbindung wurde verloren während (!) ich mit dem Rechner arbeitete. Die Verbindung brach irgendwann während des Surfens weg und die Einstufung als „nicht identifiziertes Netzwerk“ erfolgte.
    Bei mir brachte es bisher nur was, den Switch zu entfernen und besagten Rechner direkt an das LAN-Kabel zu klemmen… Allerdings weiss ich nicht, ob das hier eine tragende Rolle spielte: Ich hatte vorher über „Lokale Sicherheitsrichtline“ (secpol.msc) → „Netzwerklisten-Manager-Richtlinien“ → „Nicht identifizierte Netzwerke“ diese von „nicht konfiguriert“ auf „privat“ gestellt.
    Erst durch dein (bzw. unser aller) Dilemma kam ich auf die Idee, die alte Version (mit Switch) danach wieder zu erproben – Funktioniert!

  3. Ich hatte gestern auch ein Problem mit einem „nicht identifizierbaren Netzwerk“ und alle Möglichkeiten, die ich in div. Foren und Anleitungen fand ausprobiert – erfolglos.
    In meinem Fall traf aber MS keine Schuld. Ich hatte irgendwann in meiner Fritzbox die Anzahl der freizugebenden IP-Adressen auf 16 (20-35) begrenzt und da ich viele Geräte im Haushalt habe (PCs, Drucker, NAS, div Handys) und die Fritzbox freigegebene Adressen nicht automatisch wieder löscht, war mir das Kontingent ausgegangen. Nachdem ich den Adressraum bis 50 freigegeben hatte, war alles wieder ganz normal.

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