Mobiles Internet – Was bringt die Zukunft?

Aus technischer Sicht ist diese Frage schnell beantwortet: Mobiles Internet der näheren Zukunft bedeutet LTE (Long Term Evolution). Die Telekom, Vodafone und O2 haben sich bereits auf LTE als neuen Standard festgelegt, auch E-Plus scheint auf diese Linie einzuschwenken. Das Potenzial dieser neuen Technologie sollte nicht anhand der ersten Tarife beurteilt werden, die gegenwärtig angeboten werden. In ländlichen Regionen werden bisweilen nur Geschwindigkeiten von etwa 3 MBit/s angeboten, aber selbst die in einigen Ballungsräumen bereits zur Verfügung stehenden 50 MBit/s stellen lediglich eine Zwischenetappe auf dem Weg zum High-Speed Internet dar. In Laborexperimenten wird die schier unglaubliche Grenze von 1 GB/s inzwischen routinemäßig durchbrochen, ein Roll-Out extrem schneller Netze dürfte also nur noch eine Frage der Zeit sein.

Die Endgeräte werden zum Flaschenhals für das mobile Internet

Dass mobiles Internet bislang deutlich langsamer war als theoretisch möglich, lag nicht an Endgeräten, sondern an den Mobilfunknetzen. UMTS Surfsticks mit einer Höchstgeschwindigkeit von 7,2 MBit/s sind längst zum preiswerten Massenartikel geworden, allein die Netze können diese Geschwindigkeit in der Praxis nicht zur Verfügung stellen. Das wird sich künftig grundlegend ändern. Bereits die Entwicklung von marktfähigen LTE Surfsticks mit einer Geschwindigkeit von 50 MBit/s stellte die Hersteller vor große Herausforderungen. Das Tempo des Netzausbaus wird sich künftig daran orientieren, was Endgeräte leisten können. Nur wenn hinreichend schnelle Endgeräte zu marktgerechten Preisen angeboten werden, lohnt es sich für die Netzbetreiber, ihre Netze entsprechend auszubauen.

Wer viel bezahlt, bekommt viel

Bislang war die Tarifstruktur des mobilen Internets relativ überschaubar. Es wurden lediglich UMTS Flatrates mit einer Geschwindigkeit angeboten und es hing vom Ausbaustatus und der momentanen Auslastung des Netzes ab, welche Geschwindigkeit tatsächlich erreichbar war. Mit LTE wird eine Differenzierung der Tarife nach ihrer Geschwindigkeit eingeführt, die vom Festnetz her bereits bekannt ist. Aus Sicht der Anbieter ist das betriebswirtschaftlich kaum zu vermeiden. Die hohen Investitionen in LTE amortisieren sich nur, wenn entsprechend hohe Preise erzielt werden. Damit taucht zugleich eine weitere sehr wichtige Frage auf: Wenn jemand zukünftig einen Tarif mit vielleicht mehreren hundert MBit/s bucht – was soll er damit anfangen? Eine Frage, auf die Mobilfunkanbieter dringend eine Antwort finden müssen!

Mobiles Internet der Zukunft braucht Mehrwertdienste

Ein Blick auf den Status Quo zeigt deutlich, dass es heute für niemanden einen hinreichenden Grund gäbe, viel Geld für einen Tarif mit 100 MBit/s oder noch höheren Geschwindigkeiten zu bezahlen, wenn solche Tarife bereits angeboten würden. Es fehlt dem mobilen Internet an Anwendungen, solche Geschwindigkeiten sinnvoll zu nutzen. Ein Manko, an dem die Netzbetreiber dringend arbeiten müssen, um das LTE der Zukunft wirkungsvoll vermarkten zu können. Allzu viel scheint nach gegenwärtigem Kenntnisstand noch nicht in der Pipeline zu sein, die diesbezüglichen Hoffnungen ruhen im Wesentlichen auf „augmented reality“, der Verschmelzung von realer und virtueller Welt. Hier ist in der Tat vieles denkbar. Der User richtet die Kamera seines Smartphones auf ein Gebäude und erhält zahlreiche dazugehörige Informationen. Oder die Kamera wird auf eine Gerät gerichtet, woraufhin sofort eine Bedienungsanleitung angezeigt wird. Aber letztlich wird es vermutlich so sein, wie es bisher immer war: Die faszinierendsten Anwendungen des mobilen Internet des Jahres 2020 werden die sein, an die heute noch niemand denkt.